Neue Epoche der Aufklärung

Dr. Wagner schreibt in seiner Einführung: „Biotelie muss eine neue Epoche der Aufklärung einleiten, um die Menschheit möglichst in Einigkeit aus der Krise in eine gegliederte Einheit zu führen.“ Das bringt mich auf diesen Gedanken:

Die Aufklärer John Locke und Montesquieu führten in den staatstheoretischen Schriften das Prinzip der Gewaltenteilung ein. Diese ist inzwischen Bestandteil heutiger Demokratien. Ein anderer Bestandteil ist die Korruption. Wenn alle drei Gewalten im Besitz von Parteien und diese wiederum im Besitz des Geldes sind, Geld regiert die Welt, ist Demokratie nicht zu verwirklichen. Da hilft Biotelie mit der Ablösung der Interessenpolitik durch eine Versachlichung.
Noch ein Zitat aus der Einführung: „Versprechungen und Reden allein genügen nicht, sie müssen sich auf ihren Wirklichkeitsgehalt hin messen lassen. Willige und zugleich Fähige müssen ihre Rolle als Elite wahrnehmen können. Sie bilden über ihre Tätigkeit, ihr Urteil eine Art moderner Aristokratie, strikt gebunden an die Verfassung, wirksam aber erst über direkte Demokratie, über die Abstimmung der direkt Betroffenen.“

Wegsehen oder Verdrängung der Vernunft

Zur Zeit erleben wir, wie Staaten Schwierigkeiten haben, Kredite aufzunehmen. Nicht Kredite zur Belebung der eigenen Wirtschaft, nein, nur zum Bedienen der über alle Maßen angewachsenen Zinsen auf ihre Schulden. Schulden werden mit neuen Schulden vergrößert, höhere Kredite für höhere Zinsen erforderlich.
Also ist Sparen angesagt, die Staaten ziehen sich als Auftraggeber zurück und dennoch soll die Wirtschaft wachsen.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht auch noch immer weiter auseinander.
Wissen tun das alle, aber wer und wieviele können dagegen etwas unternehmen?
Oder ist Wegsehen angesagt?

Vor drei Jahren veröffentlicht der Präsident der deutschen Marketingvereinigung Rudolf Bossle sein Buch „Wohlstand durch Wachstum ohne Weiterverschuldung“. Seine Forderung: „Es ist Aufgabe der demokratischen Staatsform, Voraussetzungen zu schaffen, dass in Verbindung mit einer neuen Wirtschaftstheorie eine völlig neue Weltwirtschaftspolitik gemacht wird.“

Vor einem Jahr veröffentlicht Angelika Zahrnt „Postwachstumsgesellschaft: Neue Konzepte für die Zukunft.“ Mit Hilfe verschiedener Autoren zeigt sie die systemischen Zwänge auf, die uns am Wachstumspfad festhalten lassen, und stellt alternative Entwicklungsmöglichkeiten für eine Gesellschaft vor, die nicht auf Wachstum angewiesen ist – für eine Gesellschaft, in der es sich auch ohne Wachstum gut leben lässt.

Frischaufgelegt und sofort ausverkauft ist das Buch „Wohlstand ohne Wachstum“ des englischen Professors für nachhaltige Entwicklung Tim Jackson. Dass es in einer endlichen Welt kein unendliches „Mehr“ geben kann, sagt er, ist eine zutiefst unbequeme Botschaft.

Was muss passieren, dass Botschaften nicht nur gehört werden, sondern dass eine ökologische und nachhaltige Politik den Anforderungen für eine lebenswerte Zukunft auch nachkommt? Biotelie weist über das Tagesgeschäft und den verengten Blickwinkel auf eine Wiederwahl mit ihren Verfahren hinaus.